Haben ISO-Normen eine bestimmte Struktur?

 

Seit 2012 verwenden ISO-Normen unabhängig vom Themengebiet die sogenannte High Level Structure (HLS), die in 2021 zur Harmonized Structure (HS) weiter entwickelt wurde. Normen, die auf der HS aufbauen, sind in 10 Abschnitte unterteilt, wobei die Abschnitte 1 bis 3 immer die Einleitung bilden, der Abschnitt 4 die individuellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Organisation enthält, Abschnitt 5 die Aufgaben der Führung und deren Verantwortlichkeit zur Umsetzung des Managementsystems regelt und die Abschnitte 6 bis 10 den PDAC-Zyklus bezogen auf die jeweilige Norm abbilden. Aus dieser Vereinheitlichung der Grundstruktur von Normen ergeben sich erhebliche Vorteile:

  1. Wenn Unternehmen mehrere Managementsysteme betreiben, müssen Informationen nicht für jedes Managementsystem neu zusammengestellt werden, sondern können mehrfach genutzt werden. Doppelstrukturen werden somit weitgehend vermieden.
  2. Durch den einheitlichen Aufbau finden sich Mitarbeitende in mehreren Managementsystemen leichter zurecht, was die Akzeptanz und die Nutzbarkeit deutlich erhöht.
  3. Eine Umstellung bzw. ein Umdenken bei Fachbegriffen ist nicht erforderlich, wenn alle Managementsysteme der HS folgen.
Darstellung der Harmonized Structure (HS) von ISO-Normen

 

Auch wenn die Struktur einheitlich ist und die meisten Abschnitte dieselben Bezeichnungen tragen, sind die Beschreibungen natürlich an die jeweilige Norm angepasst. So werden in Abschnitt 3 der DIN EN ISO 9001:2015 Begriffe zum Qualitätsmanagement erläutert, während in der DIN EN ISO 14001:2015 dort die Begriffe zum Umweltmanagement aufgeführt sind.

Anhand der Darstellung wird ersichtlich, dass die Abschnitte 4.4, 5.2, 6.2 und 8.x je nach ISO-Norm unterschiedlich sind. Beispielweise lautet die Überschrift des Abschnitts 4.4 in der DIN EN ISO 9001:2015 "Qualitätsmanagementsystem und seine Prozesse" und in der DIN EN ISO 14001:2015 "Umweltmanagementsystem". 

Die obige Darstellung verdeutlicht gut den kontinuierlichen Verbesserungsprozess als wesentliches Merkmal und integralen Bestandteil von Managementsystemen, wobei die Abschnitte 6 bis 10 das Vorgehen als iterativen Prozess beschreiben und der Abschnitt 5 eine Querschnittsfunktion darstellt, welche auf die anderen Abschnitte Einfluss nimmt.

Normen geben lediglich Mindestanforderungen vor. Es bleibt Unternehmen überlassen, Regelungen zu treffen, die über die Norm hinausgehen, wenn das sinnvoll ist.