Wer oder was sind Stakeholder bzw. interessierte Parteien und welche Bedeutung haben Sie?
Stakeholder (gleichbedeutend: interessierte Parteien) sind Personen oder Gruppen, die direkt oder indirekt von den Aktivitäten eines Unternehmens betroffen sind oder Einfluss darauf haben können. Im Kontext von Managementsystemen bezieht sich dieser Begriff auf alle Interessengruppen, die in Bezug auf Qualität, Umwelt oder andere Managementsysteme relevant sind.
Die Identifikation und angemessene Berücksichtigung der Bedürfnisse und Erwartungen der Stakeholder sind entscheidend für den Erfolg eines Managementsystems nach DIN EN ISO. Stakeholder können intern (z. B. Mitarbeiter) oder extern (z. B. Kunden, Lieferanten, Behörden, Anwohner) sein. Durch das Verständnis und die Berücksichtigung der Interessen dieser Gruppen kann das Unternehmen sicherstellen, dass es nicht nur die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, sondern auch den Erwartungen seiner Interessengruppen gerecht wird. Ein professioneller Umgang mit interessierten Parteien schafft also einen Mehrwert für Ihr Unternehmen und unsere Gesellschaft insgesamt.
Nachfolgend erläutern wir unser Vorgehen im Umgang mit Stakeholdern im Kontext von Managementsystemen:
1. Identifikation der Stakeholder
Zunächst werden möglichst alle relevanten Stakeholder identifiziert. Dazu gehören nicht nur direkte Betroffene wie Kunden, Mitarbeiter oder Konzerngesellschaften, sondern auch Gruppen, die indirekten Einfluss ausüben können, wie Lieferanten, lokale Gemeinden, Behörden, Interessenverbände und NGOs (z. B. Umweltgruppen).
2. Analyse der Bedürfnisse und Erwartungen
Es ist wichtig, die Bedürfnisse und Erwartungen der identifizierten Stakeholder zu verstehen. Dies kann durch Brainstorming, Umfragen, Interviews, Feedback-Mechanismen oder andere Kommunikationsmittel erfolgen.
3. Integration in Managementsysteme
Die DIN EN ISO-Normen legen großen Wert auf die Integration Erwartungen der interessierten Parteien in die Managementsysteme. Das ist insofern nachvollziehbar, dass sich Unternehmen nicht im luftleeren Raum bewegen, sondern pausenlos mit Dritten interagieren. Daher werden Stakeholder-Anforderungen in die Planung und Umsetzung der Managementsysteme mit einbezogen.
4. Kommunikation mit Stakeholdern
Der Dialog mit relevanten Stakeholdern ist entscheidend. Unternehmen sollten transparent über ihre Ziele, Leistungen und Auswirkungen auf die Interessengruppen kommunizieren. Dies kann in Form von Berichten (in der Regel für externe Stakeholder), Meetings (gut geeignet für interne Stakeholder) und über andere Kommunikationskanäle (z. B. Social Media) erfolgen.
5. Reaktion auf Feedback
Unternehmen sollten Mechanismen für die Sammlung von Stakeholder-Feedback etablieren und auf dieses Feedback reagieren. Dieser Austausch erlaubt Rückschlüsse über die (Außen-) Wahrnehmung des Unternehmens und fördert so die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse und des Managementsystems.
6. Konfliktmanagement
In manchen Fällen können unterschiedliche Interessen zu Konflikten führen. Bereits bevor solche Konflikte auftreten, sollten Verfahren erarbeitet und geprobt werden, wie mit Konfklikten umgegangen werden soll. Dazu gehören angemessene Kommunikation und Verhandlungsgeschick. sowie gegebenenfalls eine Anpassung der Geschäftspraktiken.
7. Berücksichtigung von gesetzlichen Anforderungen
Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie die gesetzlichen Anforderungen im Zusammenhang mit den Interessen und Rechten der Stakeholder erfüllen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Compliance im Rahmen der Managementsysteme.
Ziele des Stakeholder-Managements
Die effektive Integration des Stakeholder-Managements gemäß den Grundsätzen der Normen trägt dazu bei, dass Ihr Unternehmen nicht nur qualitätsorientiert und nachhaltig wirtschaftet, sondern auch das Vertrauen und die Unterstützung seiner Stakeholder gewinnt. Dies wiederum kann zu einer verbesserten Reputation, Kundenloyalität und langfristigem Erfolg beitragen.
Dabei gibt es eine Vielzahl von Stakeholdern, die direkt oder indirekt von den Aktivitäten eines Unternehmens betroffen sind oder Einfluss darauf ausüben können. Nachfolgend einige Beispiele für Stakeholder, die berücksichtigt werden sollten:
Beispiele für Stakeholder
Kunden
Kunden haben direkten Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens. Ihre Bedürfnisse und Erwartungen beeinflussen die Qualität der Produkte oder Dienstleistungen, die Abläufe von Prozessen und strategische Ausrichtung.
Kundenvertreter (z. B. Verbraucherorganisationen)
Organisationen, die die Interessen von Verbrauchern vertreten, gehören ebenfalls zu den Stakeholdern. Der Schutz der Verbraucherinteressen bzw. die Einhaltung von Vorgaben zum Verbraucherschutz ist für viele Unternehmen von großer Bedeutung.
Mitarbeitende
Mitarbeiter spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Managementsystemen. Ihre Gesundheit, Sicherheit, Zufriedenheit und Entwicklungsmöglichkeiten sind von herausragender Bedeutung.
Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften
Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften haben eine wichtige Funktion bei der Vertretung der Interessen der Arbeitnehmer, insbesondere in Bezug auf Arbeitsbedingungen und soziale Standards.
Eigentümer und Investoren
Eigentümer und Investoren haben ein Interesse am finanziellen Erfolg und der Rentabilität des Unternehmens. Die Einhaltung von Governance-Prinzipien ist für sie von Bedeutung.
Lieferanten
Die Leistung von Lieferanten kann sich direkt auf die Qualität und Verfügbarkeit der Produkte oder Dienstleistungen auswirken. Außerdem sind sie an verlässlichen und langfristigen Geschäftsbeziehungen interessiert. Lieferanten sind daher wichtige Stakeholder im Supply Chain Management.
Behörden und Regulierungsstellen
Die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und regulatorischer Anforderungen ist für viele Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Behörden überwachen die Tätigkeiten von Unternehmen und sind somit wichtige Stakeholder.
Kooperationspartner und Joint Ventures
Unternehmen, die in Partnerschaften oder Joint Ventures involviert sind, haben Stakeholder-Beziehungen, die gepflegt und ausbalanciert werden müssen.
Anwohner und Gemeinden
Unternehmen können Auswirkungen auf die lokale Gemeinschaft haben. Anwohner und Gemeinden sind daher Stakeholder, deren Interessen und Erwartungen berücksichtigt werden sollten.
NGOs (Nichtregierungsorganisationen)
NGOs können Interesse an Umweltaspekten, sozialer Verantwortung oder anderen nachhaltigkeitsbezogenen Themen haben. Die Zusammenarbeit mit NGOs kann das Ansehen des Unternehmens beeinflussen.
Bitte beachten Sie, dass die Identifikation und Priorisierung von Stakeholdern je nach Branche, Unternehmensgröße und spezifischen Risiken und Chancen variieren können. Das Verständnis und die angemessene Berücksichtigung der Bedürfnisse und Erwartungen der relevanten interessierten Parteien sind entscheidend für den Erfolg von Managementsystemen.